Das Naturschutzgebiet Kolvenderbach



Der etwa 7 km lange Kolvenderbach mündet kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze bei Andler in die Our. Er fließt durch ein tief eingeschnittenes Tal zwischen 560 m und 460 m über N.N. Im Oberlauf und an den Hängen wird das Landschaftsbild von Fichtenforsten dominiert. Restvorkommen von Buchen- und Eichenlaubwäldern erinnern an die ursprünglichen Wälder dieser Gegend.

Ein Reichtum seltener Pflanzen

In der feuchten Talaue haben sich einzelne, der für die Heuernte unserer Vorfahren so wichtigen Flüxwiesen bis in die Gegenwart erhalten. Die daraus hervorgegangenen, für unsere Mittelgebirge so kennzeichnenden Lebensgemeinschaften bilden heute die Kernzone des NSG „Kolvenderbachtal“. Nutzungsformen, Bodenfeuchtigkeit, Hangneigung und verschiedene andere Faktoren führten zu einem großen Reichtum seltener Pflanzen wie beispielsweise der Bärwurz, die häufig in Begleitung der schwarzen Flockenblume vorkommt, oder das Blutauge, das sumpfige Böden bevorzugt und mit seinen rötlichen Blüten zahlreiche honigsammelnde Insekten anlockt.

Gäste der Bachufer

Der Gesang des Schwarzspechts ist häufig aus den nahe liegenden Wäldern zu hören. Wasseramsel und Gebirgsstelze sind Gäste der Bachufer. Mit etwas Glück sind sogar der Schwarzstorch und die scheue Wildkatze zu sehen. Ende der fünfziger Jahre wurde sogar noch der Fischotter in der Nähe der Herresbacher Mühle beobachtet. Aufgrund der geringen
Siedlungsdichte in seinem Einzugsgebiet besitzt der Kolvenderbach auch heute noch eine bemerkenswert hohe Wasserqualität. Als typische Fische der Ardenner Mittelgebirgsbäche sind daher auch hier Arten wie die Groppe, die Bachforelle und das Bachneunauge noch in
gesunden Beständen anzutreffen. 1990 beschloss unsere Naturschutzvereinigung das
gesamte Kolvenderbachtal durch umfassende Landkäufe als Naturschutzgebiet ausweisen
zu lassen und durch entsprechende Naturschutzmaßnahmen zu seinen landschafts- ökologischen Funktionen zurückzuführen.

Extensive Beweidungspraktiken

Bereits 1993 wurden erste Daueruntersuchungsflächen eingerichtet um die Erfolge der naturschutzfachlichen Pflegearbeiten innerhalb der Flächen langfristig wissenschaftlich begleiten und dokumentieren zu können.
Seit diesem Zeitpunkt beweideten nämlich einige Galloway-Rinder eine ca. 3 ha große
Naturschutzfläche ab Ende Juli bis in den späten Herbst hinein. Diese Maßnahme sollte eine Verbrachun und den damit verbundenen Rückgang der Artenzahlen verhindern. 1998 wurde die Beweidungsfläche um drei weitere Hektar vergrößert.
Die Ergebnisse dieser extensiven Beweidungspraktiken sind nach nunmehr zehn Jahren als positiv zu bewerten, was die oben erwähnte Studie eindeutig belegt. Die Anzahl der Pflanzenarten in den beweideten Flächen ist angestiegen, während die brachliegenden Felder einen Rückgang aufweisen.
Die Mädesüß-Hochstaudenfluren bildeten beim Ankauf der Flächen ausgedehnte Bestände im gesamten unteren Talbereich. Durch ihre Beweidung wurde sowohl die Artenzahl als auch die Anzahl der Vegetationseinheiten erhöht. Heute ist diese hochwüchsige Pflanze stark zurückgedrängt und es konnte sich mit dem Schnabelseggen-Ried eine seltene Pflanzengesellschaft etablieren.
Diese positive Tendenz ermutigte unsere Vereinigung die Beweidungsfläche bachaufwärts auszudehnen. So wurden weitere 12 ha eingezäunt und ab 2001 von einer ca. 20 köpfigen Galloway Herde beweidet. Ein Beweidungsregime wird dann als extensiv angesehen, wenn die pflanzliche Produktion höher ist als die durch Beweidung und Zertrampeln entfernte Pflanzenmasse.

Renaturierungsarbeiten

Im Rahmen des Tälerprojektes wurden auch außerhalb der BNVS Flächen, Renaturierungs-arbeiten im Kolvenderbachtal durchgeführt. Neben den großflächigen Einzäunungen wurden bis Juli zahlreiche Entfichtungs- und Entbuschungsarbeiten durchgeführt. Die Neuanlage bzw. Restauration kleiner Bachaltarme und Amphibienlaichgewässer begünstigt die Lebens-bedingungen von Berg- und Fadenmolch, von Grasfrosch und Erdkröte.
Das Kolvenderbachtal beherbergte früher strukturreiche Landschaftsteile mit einem Mosaik aus seltenen und artenreichen Pflanzengemeinschaften, in denen auch die entsprechenden Tierarten einen Lebensraum fanden. Durch die Aufforstung mit Fichten oder das Brachfallen lassen der unrentablen Flächen waren viele dieser landschaftstypischen Elemente verschwunden. Dank des EU Förderprogramms „INTERREG II“, der Einrichtung von Naturschutzgebieten und der Aufrechterhaltung bzw. Wiederbelebung extensiver
Bewirtschaftungsweiden werden die so selten gewordenen Lebensräume mit ihren typischen Tier- und Pflanzenarten erhalten und weiterentwickelt.
Derzeit hat Natagora/BNVS ca. 25 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Weitere private und staatliche Flächen müssen dringend in das Naturschutzgebiet integriert werden. Denn die Bedeutung dieses Tales für den Naturhaushalt, die Artenvielfalt, die Schönheit und Vielfalt der Landschaft, den Erhalt einer alten Kulturlandschaft, für die Forschung und für die Freude des Menschen an der heimischen Tier- und Pflanzenwelt kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Verwalter des Naturschutzgebietes:


Christian Reuter


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